Zivilgesellschaftliche Organisationen leisten täglich unverzichtbare Arbeit für Schutzsuchende. Sie begleiten, beraten und unterstützen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Not geflohen sind. Diese Arbeit geschieht unter zunehmend schwierigen Bedingungen und verweist zugleich auf strukturelle Probleme. Dabei ist die Einhaltung grundlegender Rechte von geflüchteten Menschen keine Frage politischer Opportunität, sondern eine rechtliche Verpflichtung. In der Praxis bestehen jedoch weiterhin erhebliche Defizite.
Zu den zentralen Missständen zählen – um nur einige zu nennen:
• Überlastete und teilweise menschenunwürdige Unterbringungssituationen,
• unzureichender Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung
• sowie langwierige Asylverfahren, die Betroffene über Monate oder Jahre in Unsicherheit halten.
• Hinzu kommen rechtliche und bürokratische Hürden, die den Zugang zu Bildung und Arbeit verzögern oder verhindern und damit Integration erschweren.
Gemeinsam mit dem Zentrum ÜBERLEBEN sowie weiteren 60 zivilgesellschaftlichen Akteur:innen möchten mit diesem Appell auf den erheblichen Beitrag hinweisen, den wir leisten, um Integration zu ermöglichen und die Grenzen, auf die wir dabei zunehmend stoßen. Fehlende Planungssicherheit, unzureichende Finanzierung und administrative Hürden beeinträchtigen unsere Arbeit und damit auch die Versorgung der Betroffenen. Ein größerer Teil unserer zeitlichen Ressourcen geht in langwierigen Antragstellungen verloren.
Für die beratende und versorgende Arbeit mit unseren Klient:innen bleibt dadurch immer weniger Zeit, obwohl gerade diese im Mittelpunkt stehen sollte. Neben diesen prekären Rahmenbedingungen geraten zivilgesellschaftliche Organisationen auch in der öffentlichen und politischen Debatte zunehmend in den Fokus von ungerechtfertigter Kritik und Diskreditierungen. Regelmäßige AfD-Anfragen versuchen unsere Arbeit kontinuierlich infrage zu stellen. Medial wird die Stimmung Schutzsuchenden gegenüber rauer, was direkte Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung unseres Engagements als Organisationen der Geflüchtetenhilfe hat.
Trotz unseres wichtigen gesellschaftlichen Auftrags, Lücken in der Versorgungslandschaft zu schließen, werden wichtige Projektgelder gestrichen und insbesondere kleine Einrichtungen müssen um ihr Fortbestehen bangen.
Vor diesem Hintergrund fordern wir:
• Verlässliche, mehrjährige Finanzierung der psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung statt kurzfristiger Projektlogik, um nachhaltige Strukturen und qualifiziertes Personal zu sichern
• Institutionelle Förderung zentraler Beratungs- und Unterstützungsangebote, unabhängig von schwankenden politischen Prioritäten
• Abbau bürokratischer Hürden bei Fördermitteln und Nachweispflichten, um Ressourcen effizient für die Arbeit mit geflüchteten Menschen einsetzen zu
können
• Verbesserung der Unterbringung und Lebensbedingungen durch Zugang zu dezentralem, sicherem Wohnraum
Eine funktionierende Aufnahme- und Integrationspolitik ist nicht nur eine Frage humanitärer Verantwortung, sondern auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Psychosoziale Versorgung unterstützt Menschen dabei, sich gesundheitlich zu rehabilitieren, in Deutschland Fuß zu fassen und berufliche Perspektiven aufzubauen.
Wir rufen politische Entscheidungsträger:innen dazu auf, die bestehenden Defiziteentschlossen anzugehen und gemeinsam mit der Zivilgesellschaft tragfähige Lösungen zu entwickeln. Ebenso appellieren wir an die Öffentlichkeit, sich für die Wahrung von Menschenrechten und eine sachliche, solidarische Debatte einzusetzen.
Eine rechtsstaatliche und menschenwürdige Asyl- und Migrationspolitik ist ein zentraler Maßstab für die Glaubwürdigkeit demokratischer Gesellschaften.
Initiierende Organisation: Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH
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