Manifest für das Einwanderungsland Deutschland

Die finale Version des Manifests ist hier veröffentlicht.

Stand: 3. Oktober 2026

Wir sind hier Zuhause. Stark in schwierigen Zeiten.

Unser Land steht an einem Wendepunkt. Während Krisen, soziale Unsicherheit und politische Polarisierung zunehmen, werden Menschen mit Migrationsgeschichte erneut zu Sündenböcken gemacht. Schutzsuchende werden entmenschlicht.

Rechte Kräfte bestimmen immer häufiger die öffentliche Debatte. Rassismus wird salonfähig gemacht. Rassistische Rhetorik und regressive Migrations- und Asylpolitik gefährden unser Zusammenleben zutiefst. Demokratische Werte und Errungenschaften werden angegriffen.

Es ist höchste Zeit, dass wir – Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte – noch deutlicher unsere Stimme erheben.

Wir lassen nicht länger zu, dass über unsere Zukunft ohne uns entschieden wird.

Wir bitten nicht um Mitsprache, wir beanspruchen sie.

Wir verlangen nicht gehört zu werden. Wir machen unsere Stimme unüberhörbar.

Wir überlassen unser Land nicht denjenigen, die unsere Demokratie und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstören wollen.

Wir treten für eine Vielfaltgesellschaft ein, die nicht auf Angst und Abgrenzung setzt, sondern auf Zusammenhalt, Solidarität und gemeinsame Verantwortung.

Migration: Zwischen Menschenrecht und Selbstbestimmung

Deutschland ist längst ein Einwanderungsland. Über 25 Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte leben hier, arbeiten hier, bilden Familien, engagieren sich in Vereinen, schaffen Kultur, gründen Unternehmen, treiben Innovationen voran und übernehmen Verantwortung für unser gemeinsames Zusammenleben. Circa 9,5 Millionen von ihnen sind hier geboren.

Migration ist ein natürliches, notwendiges, menschliches Phänomen und eine Bereicherung für jedes Land. Menschen haben das Recht zu migrieren. Kein Mensch soll seine Würde an einer Grenze verlieren. Wer Menschen das Recht auf Schutz, Hoffnung und ein Leben in Freiheit abspricht, stellt die Menschlichkeit selbst infrage.

Migration ist keine Ausnahme, sondern Normalität. Sie hat unser Land geprägt und wird seine Zukunft weiterhin prägen. Eine alternde Gesellschaft, eine international vernetzte Wirtschaft und eine demokratische Vielfalt sind auf Einwanderung angewiesen. Wer das Einwanderungsland Deutschland infrage stellt, verweigert sich der Realität.

Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte bringen besondere Stärken mit:
Mehrsprachigkeit, Fähigkeit zur Krisenbewältigung, den Bezug zu unterschiedlichen Kulturen und die Fähigkeit, Brücken zwischen Lebenswelten zu schlagen. Niemand migriert grundlos. Wer geht, verlässt Vertrautes hinter sich und beginnt oft unter schwierigen Bedingungen neu. Migration erfordert Mut zum Neuanfang, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen.

Die Geschichten von Migrant*innen erzählen nicht nur von Herausforderungen, sondern auch von Hoffnung, Widerstand, Verantwortung und gesellschaftlichem Engagement im neuen Zuhause.

Migrant*innenorganisationen als unverzichtbare Kooperationsakteure

Als migrantische und postmigrantische Organisationen sind wir ein unverzichtbarer Bestandteil der lokalen Strukturen.

Wir sind nah bei den Menschen. Wir schaffen Orte der Begegnung, des Zusammenhalts und der Demokratie. Wir unterstützen Menschen beim Ankommen in dieser Gesellschaft und bei der sozialen Teilhabe, fördern Bildung und gesellschaftliches Engagement und organisieren Kultur- und Begegnungsangebote. Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und mit vielfältigen kulturellen Prägungen bringen sich bei uns ein und zeigen täglich, dass Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet.

Gleichzeitig sind wir Orte des Engagements. Wir übernehmen Verantwortung für unser Umfeld, entwickeln Projekte und bringen unsere Erfahrungen in kommunale Netzwerke, politische Gremien und zivilgesellschaftliche Initiativen ein.

Demokratie lebt davon, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Perspektiven einzubringen und Gesellschaft mitzugestalten. Als migrantische und postmigrantische Organisationen sind wir Orte der Selbstorganisation, der Begegnung und der demokratischen Gestaltung. Wir verbinden Menschen, stärken Engagement und machen die Vielfalt unserer Gesellschaft sichtbar. Darauf sind wir stolz.

Aufforderung zum gemeinsamen Handeln

Für die Gestaltung einer starken Demokratie, den Schutz der Menschenrechte und das Leben in einer vielfältigen Gesellschaft brauchen wir viele Stimmen.
Deshalb laden wir alle Menschen, Vereine, Initiativen ein, auch in schwierigen Zeiten mit uns Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam gestalten wir eine Zukunft, die von Solidarität, Gerechtigkeit und Vielfalt getragen wird.

Konkret treten wir für Folgendes ein:
- Chancengerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe in Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarkt und öffentlichem Dienst
- Eine Verwaltung, Justiz und Politik, die die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln
- Ein humanes Asylrecht. Humanitäres Bleiberecht, statt Abschiebepolitik
- Null Toleranz gegenüber Rassismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit
- Dauerhafte und verlässliche Förderung migrantischer und postmigrantischer Organisationen
- Verbindliche Beteiligung migrantischer und postmigrantischer Organisationen an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen.

Vision für die Zukunft Deutschlands
Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der Vielfalt kein Sonderfall ist, sondern gelebte Normalität. Eine Gesellschaft, in der alle Menschen mit ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen und ihren Fähigkeiten gleichwertig dazugehören und unser Zusammenleben gemeinsam voranbringen.

Wir stehen für eine Vielfaltsgesellschaft, die Diversität als Stärke begreift und Teilhabe für alle ermöglicht.

Wir setzen uns für eine Vielfaltsgesellschaft ein, die niemanden nach Herkunft bewertet, sondern nach Menschlichkeit, in der niemand sich für sein*/ihr Dasein rechtfertigen muss.

Für eine Gesellschaft, in der jedes Kind – unabhängig von seinem Namen, seiner Hautfarbe oder der Geschichte seiner Familie – die gleichen Chancen hat.

Das Manifest downloaden.

Weitere Informationen zum Teilen und Unterzeichnen folgen.